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Electoral College 


Die Gründer der Vereinigten Staaten ließen sich von den Vorstellungen der Aufklärung anleiten und von Visionären wie Johп Loсke und Сharles de Moпtesquieu inspirieren. Sie wagten einen bisher noch nicht existierenden, demokratischen Versuch. Sie unterwarfen eine große Anzahl politischer Ämter wie nie zuvor dem Volkswillen und sie realisierten die Einführung einer generellen Gewaltenteilung zwischen Legislative (gesetzgebende Gewalt), Exekutive (ausführende Gewalt) und Judikative (juristische Gewalt) ein. Um Bürger und politische Eliten zu verknüpfen braucht es ein Instrument: die Wahlen.

In allen Bereichen des politischen Lebens in den USA gibt es Wahlen, die Wahl des Präsidenten ist auf jeden Fall die Bedeutendste. Im Verfassungskonvent (1787) fanden lange Diskussionen unter den Gründungsvätern statt, ob es ein solches Amt geben sollte und wie es ausgestalten werden sollte. Die debattierten Vorschläge reichten von einer Art Wahlsieger, dessen Wahl auf Lebenszeit erfolgen sollte, bis hin zu einem Exekutivgremium, das gemeinschaftlich geführt werden sollte. Schließlich fand man eine Einigung mit dem Beschluss ein Präsidentenamt einzuführen. Alle vier Jahre sollte eine Wahl erfolgen. Die Verfassungsgeber entschieden sich dagegen den Präsidenten durch das Parlament wählen zu lassen, mit Hinblick auf die Machtbalance und Machtkontrolle abgestimmte, Gewaltenteilung zwischen Gerichten, Kongress und Präsident. Der Präsident sollte durch den Volkswillen bestimmt werden, seine Machtbasis sollte unabhängig sein.


Den Gründungsvätern der Vereinigten Staaten war es dann aber doch zu heikel dem Volk direkt die Wahl des Präsidenten zu überlassen. Selbst den aufgeklärten Reformisten kam diese Idee zu extrem-demokratisch vor. Das war der Grund für die Einführung des Gremiums des "Electoral College" (Wahlmännerkollegium). Damit ist die indirekte Präsidentenwahl geschaffen worden. Der Plan war folgender: in den jeweiligen Bundesstaaten sollte die Bevölkerung Wahlmänner festlegen, die sich im Anschluss als Kollektiv zusammenfinden und den Präsidenten wählen. Dieses Kollegium, bestehend aus weitsichtigen und routinierten Wahlmännern, sollte wie eine Sicherheitsschicht fungieren zwischen der personellen Besetzung der Amtsspitze im Staat und dem politischen Volkeswillen. Mit diesem Vorgehen wurde außerdem die ausgeglichene Einflussnahem sämtlicher Bundesstaaten erreicht.


Das System des "Electoral College", weltweit einzigartig, erzwingt eine interessante Berechnung. Gemessen an den Einwohnerzahlen hat jeder Bundesstaat eine verschiedene Anzahl von Wahlmännern zu bestimmen. Zum Beispiel bekommt Kalifornien 55 Elektoren, weil bevölkerungsreichstes Bundesland, Montana dagegen nur drei, weil nur dünn besiedelt. Alle Wahlmänner eines Bundesstaates werden demjenigen Kandidaten zugesprochen, der die Mehrheit aller Stimmen auf sich vereinigen kann.

Ein Beispiel für einen Bundesstaat: Kandidat 1 erhält bei der Wahl 51% aller Stimmen, Kandidat 2 dagegen erzielt nur 49%. Ist der Sieg auch knapp, so erhält Kandidat 1 alle Wahlmänner für sich. Die Stimmen des Herausforderers sind praktisch wertlos, er geht faktisch leer aus.

Derjenige der 270 plus X Wahlfrauen- und - Männerstimmen erhalten hat, gewinnt die Präsidentenwahlen. Kurioserweise kann dieses Abstimmungsverfahren zu Folge haben, dass derjenige der als Sieger aus der Wahl hervorgeht, weniger landesweite Wählerstimmen als sein Gegenkandidat erhalten hat. Dies geschah im Wahljahr 2000. Βush setze sich gegen Gοre durch mit einer äußerst knappen Mehrheit von 271 zu 266 Stimmen im "Electoral College". Landesweit hatte Gοre aber nahezu 540 Tausend Wählerstimmen mehr erhalten als Βush. Die Mehrheit der „Electoral College“ Stimmen war jedoch ausschlaggebend. Gοre hatte diese nicht erreicht.

Um die Mehrheit aller Stimmen im "Electoral College" zu erlangen konzentriert sich das Wahlkampfgeschehen auf diejenigen Staaten in denen Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Prätendenten prognostizieren und die viele Wahlfrauen- und Männer zu bestimmen haben. Das hat zur Folge dass der Wahlkampfaufwand sich auf die Staaten konzentriert, die größtmögliche Chancen bieten. Die Kandidaten investieren hier fast alle Ressourcen. Staaten, die nicht zu gewinnen sind werden kaum berücksichtigt. In den favorisierten Staaten werden für die Führung des Wahlkampfes alle modernen Methoden eingesetzt: Zeitungs- und Fernsehwerbung, Hausbesuche freiwilliger Helfer, Telefonanrufe und gezielte Postwurfsendungen. Die notwendigen finanziellen Mittel sind erheblich. Heute kostet ein gewöhnlicher Wahlkampf eines Präsidentschaftskandidaten summa summarum über 1 Milliarde US-Dollar.



 

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Electoral College - Gremium der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten.  USA-Election.de, Berlin  G. Zimmer © j.U.El.